Zahlen & Fakten | ZsN 2022

TRAURIGER ALLTAG – AUCH IN DEUTSCHLAND

PARTNERSCHAFTSGEWALT

Jeden dritten Tag stirbt eine Frau durch ihren Ehemann oder (Ex-)Partner

  • 139 Frauen starben 2020 in Deutschland durch die Hand des Partners oder Ex-Partners. (2019 waren es 117.)
  • Bei fast der Hälfte der Fälle der Tötungsdelikte (47,2 Prozent) war der Täter der Ehepartner.
  • 359 Frauen wurden Opfer von (versuchtem Mord) und Totschlag durch ihren (Ex-)Partner
  • In 66,3 Prozent der Fälle von Stalking, Bedrohung und Nötigung waren die Täter die ehemaligen Partner.
Zuhause nicht sicher
  • 51,2 Prozent der von Partnerschaftsgewalt Betroffenen lebten mit dem Partner in einem Haushalt.
Betroffen sind überwiegend Frauen
  • Mord, Totschlag, Körperverletzung, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution: 148.031 Menschen wurden in Deutschland im Jahr 2020 Opfer von Partnerschaftsgewalt. Das sind 6.239 oder 4,4 Prozent mehr als 2019). Rund 80,5 Prozent davon waren Frauen (2019 waren es 81 Prozent).
  • Jede Stunde werden durchschnittlich 13 Frauen Opfer von Gewalt in Partnerschaften.

Steigende Tendenz

  • Die Gesamtzahl der Taten partnerschaftlicher Gewalt ist zwischen 2015 und 2020 kontinuierlich gestiegen. Zwischen 2016 und 2020 um 11,2 Prozent.
  • Die Corona-Lockdowns im Jahr 2020 ergaben keinen eindeutigen Anstieg der Fälle. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Betroffenen es schwerer hatten, Anzeige zu erstatten.
  • Das bundesweite Hilfetelefon verzeichnete 2020 allerdings einen Anstieg der Beratungsgespräche um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 51.000.

Tatverdächtig sind überwiegend Männer

  • 79,1 Prozent der Tatverdächtigen waren Männer.

Die Zahlen stammen aus „Partnerschaftsgewalt - Kriminalstatistischen Auswertung – Berichtsjahr 2020" vom BKA.

 

GESCHLECHTERSPEZIFISCHE UND SEXUALISIERTE GEWALT | ALLGEMEIN

 
Geschlechterspezifische und sexualisierte Gewalt nehmen zu
  • Die Zahl der Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung sowie die Zahl sexueller Übergriffe nahm im Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Prozent zu. Die Gesamtzahl lag bei 9.903 Fällen. 94 Prozent der Opfer waren Frauen.

Diese Zahlen entstammen dem PKS 2020 des Bundeskriminalamts.

Dunkelziffer deutlich höher

Alle diese Zahlen stehen für das so genannte Hellfeld. Die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Straftaten liegt deutlich höher, denn noch immer lassen die Kontrolle durch den Täter und die Angst vor Repressalien die Betroffenen davor zurückschrecken, sich die notwendige Hilfe zu holen.

Die EU-Studie 'Gewalt gegen Frauen' der European Union Agency For Fundamental Rights von 2014 schätzt, dass fast die Hälfte der von körperlicher und sexueller Gewalt Betroffenen sich niemandem dazu anvertrauen. Sie schweigen vor allem dann, wenn der Täter der aktuelle oder frühere Beziehungspartner ist oder war.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

IN DEUTSCHLAND FEHLEN RUND 14.600 PLÄTZE IN FRAUENHÄUSERN

Gemäß Istanbul-Konvention soll es pro 10.000 Einwohner (also Männer, Frauen und Kinder) einen sogenannten „Family Place" als Schutzraum geben.

Das ist die statistische Berechnungsgröße. Viele Frauen, die Schutz suchen müssen, benötigen auch Platz für ihr Kind oder ihre Kinder. Hochgerechnet bedeutet das: Deutschland braucht 21.400 Plätze in Frauenhäusern.

Tatsächlich gibt es nur 6.800. Neun Jahre nach der Unterzeichnung der Istanbul-Konvention ist die Bundesrepublik mit 14.600 Plätzen im Soll. Für von häuslicher Gewalt Betroffene und ihre Kinder ein unhaltbarer Zustand.

Der Bund hat bis 2025 120 Millionen Euro als Unterstützung von Ländern und Kommunen bei der Umsetzung der Istanbul-Konvention zugesagt.

 

FOLGEN VON PARTNERSCHAFTSGEWALT

Neben physischen Verletzungen beeinträchtigen psychische Traumafolgestörungen das Leben der Betroffenen. Durch indirekte oder direkte Gewalterfahrungen traumatisiert sind dabei häufig auch ihre Kinder.

Als konkrete Folgen zählt die EU-Studie 'Gewalt gegen Frauen' der European Union Agency For Fundamental Rights von 2014 den Verlust des Selbstbewusstseins, das Gefühl der Verletzlichkeit, Schlafstörungen und Ängste auf.

Anhaltende Gewalterfahrungen in Partnerschaft und Familie führen zu schweren, chronisch verlaufenden psychischen Erkrankungen mit intensivem Therapiebedarf wie zum Beispiel Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen

"Im Durchschnitt wird jede dritte Frau
Opfer einer Gewalttat, einer Vergewaltigung
oder eines Angriffs."

Susanne von Bassewitz, Präsidentin Zonta International 2018 - 2020


zum Vergrößern anklicken | © United Nations

TRAURIGER ALLTAG – AUCH IN DEUTSCHLAND

Partnerschaftsgewalt

Jeden dritten Tag stirbt eine Frau durch ihren Ehemann oder (Ex-)Partner

  • 117 Frauen starben im vergangenen Jahr in Deutschland durch die Hand des Partners oder Ex-Partners.
  • Bei gut der Hälfte der Fälle der Tötungsdelikte (49,2 Prozent) war der Täter der Ehepartner.
  • In 66,6 Prozent der Fälle von Stalking, Bedrohung und Nötigung waren die Täter die ehemaligen Partner.

Zuhause nicht sicher.

  • Fast 50,5 Prozent der von Partnerschaftsgewalt Betroffenen lebten mit dem Partner in einem Haushalt.

Betroffen sind überwiegend Frauen.

  • Mord, Totschlag, Körperverletzung, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution:
    141.792 Menschen wurden in Deutschland im Jahr 2019 Opfer von Partnerschaftsgewalt. Rund 81 Prozent davon waren Frauen.
  • Bei sexuellen Übergriffen, sexueller Nötigung und Vergewaltigung waren 98,1 Prozent der Betroffenen weiblich.
  • Bei Zuhälterei und Zwangsprostitution sind es annährend 100 Prozent.

Steigende Tendenz.

  • Die Gesamtzahl der Taten partnerschaftlicher Gewalt ist seit ihrer erstmaligen Erfassung 2014 um 11,2 Prozent gestiegen, von 2018 bis 2019 um 0,74 Prozent.

Tatverdächtig sind überwiegend Männer.

  • 79,4 Prozent der Tatverdächtigen waren Männer.

Die Zahlen stammen aus der Kriminalstatistischen Auswertung des BKA zur Partnerschaftsgewalt 2020.

Der BKA Bericht kann hier heruntergeladen werden

Geschlechterspezifische und sexualisierte Gewalt | allgemein

Gewaltkriminalität insgesamt richtet sich vor allem gegen Frauen und Mädchen.

  • Im gesamten Bereich der Gewaltkriminalität waren 85,3 Prozent der Opfer weiblichen und 14,7 Prozent der Opfer männlichen Geschlechts.

Geschlechterspezifische und sexualisierte Gewalt nehmen zu.

  • Die Zahl der Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung sowie die Zahl sexueller Übergriffe nahm im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um 2,1 Prozent zu. Die Gesamtzahl lag bei 9.426 Fällen.
  • Gestiegen ist mit 10,9 Prozent auch die Zahl der Fälle sexuellen Missbrauchs an Kindern. Einen so hohen Anstieg gab es noch nie. Das BKA verweist in diesem Zusammenhang auf die intensivierten Ermittlungsbemühungen. Insgesamt waren es 13.670 Fälle.

Die Täter stammen in der Hälfte der Fälle aus dem persönlichen Umfeld.

  • 2019 wurden 69.881 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung unter Gewalt oder Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses begangen. Die Täter waren in 93,2 Prozent der Fälle männlich.
  • Nahezu jede zweite Straftat wurde von Verwandten oder Personen aus dem näheren Bekanntenkreis verübt.
  • 85 Prozent der Opfer bei Mord oder vollendetem Totschlag sind weiblich.
  • Bei Straftaten gegen die persönliche Freiheit sind es 59,9 Prozent, bei Körperverletzung 66 Prozent. Die Täter stammen zumeist aus dem persönlichen Umfeld. Bei Stalking sind in 39,2 Prozent der aktuelle oder der ehemalige Partner tatverdächtig.

Die Zahlen stammen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik - PKS 2019.

Alle diese Zahlen stehen für das so genannte Hellfeld. Die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Straftaten liegt deutlich höher, denn noch immer lassen die Kontrolle durch den Täter und die Angst vor Repressalien die Betroffenen davor zurückschrecken, sich die notwendige Hilfe zu holen.

Die EU-Studie 'Gewalt gegen Frauen' der European Union Agency For Fundamental Rights von 2014 schätzt, dass fast die Hälfte der von körperlicher und sexueller Gewalt Betroffenen sich niemandem dazu anvertrauen. Sie schweigen vor allem dann, wenn der Täter der aktuelle oder frühere Beziehungspartner ist oder war.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

In Deutschland fehlen rund 14.600 Plätze in Frauenhäusern

Gemäß Istanbul Konvention soll es pro 10.000 Einwohner (also Männer, Frauen und Kinder) einen sogenannten „Family Place" als Schutzraum geben.

Das ist die statistische Berechnungsgröße. Viele Frauen, die Schutz suchen müssen, benötigen auch Platz für ihr Kind oder ihre Kinder. Hochgerechnet bedeutet das: Deutschland braucht 21.400 Plätze in Frauenhäusern. Tatsächlich gibt es nur 6.800. Neun Jahre nach der Unterzeichnung der Istanbul Konvention ist die Bundesrepublik mit 14.600 Plätzen im Soll. Für von häuslicher Gewalt Betroffene und ihre Kinder ein unhaltbarer Zustand.

Folgen von Partnerschaftsgewalt

Neben physischen Verletzungen beeinträchtigen psychische Traumafolgestörungen das Leben der Betroffenen. Durch indirekte oder direkte Gewalterfahrungen traumatisiert sind dabei häufig auch ihre Kinder.

Als konkrete Folgen zählt die EU-Studie 'Gewalt gegen Frauen' der European Union Agency For Fundamental Rights von 2014 den Verlust des Selbstbewusstseins, das Gefühl der Verletzlichkeit, Schlafstörungen und Ängste auf.

Anhaltende Gewalterfahrungen in Partnerschaft und Familie führen zu schweren, chronisch verlaufenden psychischen Erkrankungen mit intensivem Therapiebedarf wie zum Beispiel Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen

 

 

Weitere Informationen

Weitere Fakten zur Gewalt an Frauen | PDF

Aktuelle Zahlen und Quellen zum Thema Kinderehe finden Sie hier | Ending Child Marriage